Nominierung zum ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit 2018

Im Dezember 2017 wurde das Konzeptwerk für den ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit 2018 nominiert. Wir haben uns sehr über diese Anerkennung gefreut und sehen darin eine Bestätigung unserer Arbeit.

Die konkrete Ausgestaltung des Preises sehen wir jedoch kritisch. Grund ist, dass der Preis auch von der Aurubis AG ausgelobt wird.

 

Die Aurubis AG

Die Aurubis AG ist ein deutscher Kupferproduzent und Kupferwiederverwerter. Der Konzern produziert Kupferkathoden und stellt daraus verschiedene Produkte wie Drähte, Stangen oder Rohre her. Diese kommen dann in der Elektroindustrie, in der Bauwirtschaft, im Maschinenbau und in der Autoindustrie zum Einsatz.

Aurubis betreibt eine der größten Kupferschmelzen der Welt. Das Kupfererz und Kupferkonzentrat hierfür bezieht das Unternehmen direkt aus den Abbauländern, darunter Chile, Peru, Brasilien und Argentien. Damit spielt Aurubis in der Lieferkette für Kupfer eine zentrale Rolle. In Deutschland ist Aurubis der größte Kupferimporteur. In den letzten Jahren hat der Konzern zahlreiche Bemühungen in Sachen Umweltschutz und Menschenrechte unternommen. Innerhalb der Branche gilt die Aurubis AG als ein fortschrittliches, um Nachhaltigkeit bemühtes Unternehmen. Diese Bemühungen finden wir wichtig und möchten sie nicht in Frage stellen. In Frage stellen möchten wir allerdings, ob man einen Nachhaltigkeitspreis zusammen mit der Aurubis AG ausloben sollte.

Nachhaltigkeit sieht anders aus

Wenn Nachhaltigkeit mehr sein soll als ein grünes Pflaster, das die Ausbeutung von Mensch und Natur beschönigt, dann geht es darum, drei Dimensionen ernsthaft zu berücksichtigen, die auch für die Arbeit des Konzeptwerks zentral sind: ökologische, soziale sowie ökonomische Nachhaltigkeit.

Diese Dimensionen sind nicht gleich gewichtet, sondern entsprechend dem Vorrangmodell der Nachhaltigkeit angeordnet: Die Natur setzt Grenzen für soziales und ökonomisches Handeln. Wesentliches Ziel menschlichen Strebens sollte die Ermöglichung eines guten Lebens für alle Menschen und die Wahrung der Menschenrechte sein. Wichtige soziale Ziele sind das Recht auf Nahrung, Unterkunft, Freiheit von Unterdrückung und Gewalt, das Recht auf soziale Teilhabe, die Arbeitsrechte und und und. Diesen beiden Dimensionen der Nachhaltigkeit ist die ökonomische Dimension nachgeordnet. Die Wirtschaft dient dem menschlichen Wohl innerhalb der ökologischen Grenzen. Dieses Verständnis von Nachhaltigkeit ist so grundlegend für unsere Arbeit, dass es sich in unserem Logo wiederfindet:


Der grüne Ring steht für ökologische Nachhaltigkeit und umfasst den blauen Ring der sozialen Nachhaltigkeit. Erst innerhalb der Grenzen dieser beiden Ringe findet sich die Sphäre des Ökonomischen, der rote Ring.

In dieser Hinsicht wirft die Beteiligung der Aurubis AG am ZEIT-Wissen Nachhaltigkeitspreis Fragen auf:

Die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit: Warum vergibt ein transnationales Rohstoff verarbeitendes Unternehmen, das mit seinem Bezug von Kohlestrom den Klimawandel vorantreibt, einen Nachhaltigkeitspreis?

Die Aurubis AG hat durch eine so genannte virtuelle Kraftwerksscheibe einen langfristigen Stromliefervertrag mit Vattenfall Europe auf Kostenbasis des Steinkohlekraftwerks Moorburg abgeschlossen. Kohleverstromung ist die klimaschädlichste Form der Stromerzeugung. Gerade wird in Deutschland aktiv über den Kohleausstieg debattiert. Grund sind die katastrophalen ökologischen und auch sozialen Folgen der Kohleverstromung. Mehr noch: Im gegebenen Fall steht das Kohlekraftwerk Moorburg auch in der Kritik, weil bei dessen Neubau Umweltrichtlinien nicht beachtet wurden. Im April 2017 „gab der Gerichtshof der EU-Kommission, die Deutschland wegen eines Verstoßes gegen europäisches Umweltrecht verklagt hatte, weitgehend recht.“

Der rasant voranschreitende Klimawandel verletzt grundlegende soziale Rechte von Menschen auf eine sichere Existenz und Selbstbestimmung, vor allem im globalen Süden, und zerstört die ökologischen Grundlagen eines gutes Lebens für alle Menschen. Deshalb sind wir selbst seit mehreren Jahren für einen schnellen Kohleausstieg aktiv. Inwiefern ist ein Unternehmen, das sich langfristig an Kohlestrom bindet und damit den Klimawandel weiter bewusst befördert, ein glaubwürdiger Nachhaltigkeitsakteur?

Die soziale Dimension von Nachhaltigkeit: Warum vergibt ein transnationales Rohstoff verarbeitendes Unternehmen, das sich weigert transparent zu machen, wo und unter welchen Bedingungen das Kupfer abgebaut wird, mit dem es seine Millionengewinne erwirtschaftet, einen Nachhaltigkeitspreis?

Der Bergbausektor ist bekannt für Menschenrechtsverletzungen und Umweltprobleme. In der Tat kann es mitunter sehr schwierig sein, überhaupt seltene Erden, Mineralien und Metalle zu beziehen, die konfliktfrei sind. Das Unternehmen „Fairphone“ leistet hier seit 2013 Pionierarbeit – und zeigt damit die hiermit zusammenhängenden Schwierigkeiten und Grenzen fairer Beschaffung auf.

Unabhängige Studien (z.B. hier und hier) berichten immer wieder, dass Kupferminen die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in Ländern wie Peru, Chile oder Brasilien (insbesondere durch Luft- und Bodenverschmutzungen) zerstören, woher auch Aurubis Kupfer bezieht. Aufgrund seiner Dominanz auf dem deutschen Markt wird Aurubis diesbezüglich genau beobachtet. So stellt der Bericht von Misereor „Menschenrechtliche Probleme im peruanischen Rohstoffsektor und die deutsche Mitverantwortung“ von 2013 in einem Fallbeispiel zu Aurubis fest, dass das Unternehmen Kupfer vom Antanima-Konsortium bezogen hat. Dieses ist für Umweltschäden und lokale Landnutzungskonflikte verantwortlich. 1

Allerdings bleibt unklar, aus welchen Minen Aurubis sein Kupfer aktuell bezieht. Aurubis verweigert die Veröffentlichung entsprechender Informationen auch auf wiederholte Nachfragen von Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Menschenrechtsaktivist*innen. So aber bleibt das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit eine bloße Behauptung. Eine öffentliche Überprüfung und Kontrolle ist nicht möglich. Dies belegen eine aktuelle Studie der FU Berlin, wie auch Recherchen der Frankfurter Rundschau. Die FR schreibt: „Firmen wie Aurubis drücken sich in Sachen Menschenrechte um Transparenz“. Die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller, vormals FU Berlin, jetzt bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik, hat in ihrer Studie zu den deutschen Kupferimporten dem Fall Aurubis gleich 14 Seiten widmet. Müller zweifelt an, ob die von Aurubis in den letzten Jahren eingeführten Mechanismen ausreichen, um Menschenrechtsrisiken frühzeitig zu erfassen. Dies ist nicht nur aufgrund des ggf. vor Ort entstehenden Leids problematisch, sondern auch, weil es für die Aurubis nachgelagerte Industrien sehr schwierig wird, ihrer eigenen unternehmerischen Sorgfaltspflicht nachzukommen.

All unsere Aktivitäten als Konzeptwerk Neue Ökonomie zielen auf die Verbreitung von Konzepten für eine soziale und ökologische Gesellschaft – eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse aller Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden und ein respektvoller Umgang mit der Natur gepflegt wird. Deshalb fragen wir: Inwiefern ist ein Unternehmen, das sich grundlegenden Transparenzkriterien zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards verweigert, ein glaubwürdiger Nachhaltigkeitsakteur?

Das Konzeptwerk setzt sich für umfassende Nachhaltigkeit ein

Das Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. setzt sich für globale Gerechtigkeit ein. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Lebensweise der Gesellschaften der früh-industrialisierten Länder des globalen Nordens nicht mehr länger auf der Ausbeutung von Mensch und Natur, insbesondere im globalen Süden, basiert. Denn eine solche Lebensweise ist weder in ökologischer noch in sozialer Hinsicht nachhaltig. Unser Eindruck ist, dass die Aurubis AG, trotz aller Bemühungen, eine solche Lebensweise durch ihre Unternehmenspraktiken weiterhin befördert.

Deshalb sehen wir – trotz der Bemühungen von Aurubis in Sachen Umweltschutz und Menschenrechte – die Kooperation des Konzerns mit dem ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit sehr kritisch. Im Zusammenhang mit dem Preis fragen wir: Inwiefern ist Aurubis geeignet, Mitglieder in eine Jury entsenden, die darüber bestimmt, wer mit „Mut zur Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet wird? Sollte Aurubis diesen Preis tatsächlich mit ausloben dürfen und sich mit der Verbindung zu einem Preis zur Nachhaltigkeit schmücken dürfen?

Mit dieser Stellungnahme wollen wir dazu beitragen, ein unserer Ansicht nach Sinn entstellendes Verständnis von Nachhaltigkeit zu hinterfragen, wie wir es in unserer täglichen Arbeit ganz grundlegend kritisieren.


Nominierung zum ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit 2018 – Update

 

14.03.2018 / Auf unsere kritische Stellungnahme zur Ausgestaltung des ZEIT Wissen-Preises „Mut zur Nachhaltigkeit“ hin haben wir Gesprächsangebote vom ZEIT-Verlag wie auch der Aurubis AG bekommen und diese gern angenommen. Wir fanden die Gespräche wertvoll, um besser nachzuvollziehen, wie beide Akteure ihre Haltung und ihr Verhalten begründen. Auch nach diesen Gesprächen, die Anfang 2018 in Hamburg stattfanden, überzeugen uns die Argumente für die Einbindung der Aurubis AG in den Nachhaltigkeitspreis allerdings nicht:

Wir fordern eine tatsächlich öffentliche und sehr viel grundlegendere Diskussion zur Rolle von bergbaunahen Konzernen für eine sozial-ökologische Gesellschaft

Mit der Auslobung des Preises will der ZEIT-Verlag nach eigenen Angaben eine öffentlichkeitswirksame Plattform für das Thema Nachhaltigkeit und die Rolle großer Unternehmen darin schaffen. Indem die Aurubis AG sowohl an der Auslobung als auch der Jury beteiligt ist, soll auch deren Nachhaltigkeitsverständnis und -engagement kritisch hinterfragt und zur öffentlichen Diskussion gestellt werden. Der ZEIT-Verlag argumentiert, mit dem Zusammenbringen großer transnational arbeitender Konzerne und verschiedener, auch bewegungsnaher Nachhaltigkeitsakteure den Austausch über gesellschaftliche Nachhaltigkeitsstrategien voranbringen zu wollen. Doch:

Es mangelt an Transparenz und expliziten Diskussionsräumen

Aktuell werden mit verschiedenen Veröffentlichungen (Pressemitteilungen, Artikel im ZEIT Wissen Magazin, Berichte über die Preisverleihung) der Preis, die hieran Beteiligten sowie die Nominierten publik gemacht. Allerdings wird hieraus der Öffentlichkeit nicht deutlich, dass der Preis eine Funktion als öffentliche Diskussionsplattform haben soll. Wenn im Rahmen des Preises außerdem ein Dialog zwischen explizit sehr unterschiedlichen Nachhaltigkeitsakteuren stattfinden soll, dann muss dies einerseits allen Beteiligten deutlich gemacht und nicht erst auf Nachfrage kommuniziert werden, um Konflikten und Missverständnissen vorzubeugen. Andererseits müssen dafür auch konkrete Austauschräume geschaffen werden. Bisher ist dafür nur die Veranstaltung der Preisverleihung vorgesehen. Das ist aus unserer Sicht nicht ausreichend. Dies ist bedauerlich, da wir die Idee einer Diskussionsplattform mit heterogenen Akteuren – von denen es sehr wenige gibt – grundsätzlich schätzen.

Es wird ein schwaches Nachhaltigkeitsverständnis implizit vorausgesetzt und nach außen kommuniziert

Der ZEIT-Verlag betont, dass auf der Plattform des Preises alle Nachhaltigkeitsverständnisse Platz haben sollen. Dies ist aus unserer Sicht nicht der Fall, wenn die Aurubis AG den Preis mitauslobt und dies nicht proaktiv problematisiert wird. Die Plattform bekommt so Schlagseite. Denn mit ihrer beschriebenen Öffentlichkeitsarbeit zum Preis tragen die Auslobenden, der ZEIT-Verlag und die Aurubis AG zum Diskurs über Nachhaltigkeit bei. Mit dem Preis wird ein Nachhaltigkeitsverständnis angenommen und nach außen kommuniziert, das im Diskurs als „schwache“ Nachhaltigkeit bezeichnet wird. Es wird impliziert suggeriert, dass eine auf technologischen Lösungen und unverbindlichen Regelungen basierende Nachhaltigkeit im Sinne von Aurubis ausreicht, um die aktuellen sozial-ökologischen Probleme zu lösen. Dabei werden grundsätzlichere Problem nicht angegangen, die mit dem Bergbau und der energieintensiven Verarbeitung von Rohstoffen wie Kupfer einhergehen. Rohstoffexpert*innen wie Susanne Friess (Misereor) halten deshalb Umweltschutz und Bergbau generell für unvereinbar.

Wir vertreten dagegen ein „starkes Nachhaltigkeitsverständnis“, das heißt, wir gehen davon aus, dass Fragen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit gegenüber ökonomischen Kosten-Nutzen-Analysen vorrangig sind und deshalb u.a. die Gewinnorientierung von Unternehmen weitreichender Nachhaltigkeit im Weg steht.

Wir erwarten vom ZEIT-Verlag als öffentliches Medium transparent zu machen, welches Verständnis von Nachhaltigkeit der Ausgestaltung des Preises zugrunde liegt und dies damit auch öffentlich zur Diskussion zu stellen.

Nach den beiden Gesprächen mit dem ZEIT-Verlag und der Aurubis AG ist uns also weiterhin unklar, wie die Aurubis AG konkret in die Verantwortung genommen werden soll. Noch immer hält der Konzern mit Verweis auf wettbewerbsrechtliche Gründe geheim, aus welchen Kupferminen er seine Rohstoffe bezieht. Recherchen verschiedener Expert*innen deuten darauf hin, dass es gegen einige dieser in Frage kommenden Minen erhebliche Vorwürfe gibt, weil diese Menschenrechte missachten und gravierende Umweltschäden verursachen. Zwar setzt sich die Aurubis AG für allgemeinverbindliche Transparenzregeln für den Bergbausektor ein. Solange der Konzern jedoch selbst die Transparenz verweigert, stellt er ökonomische Gründe über soziale und ökologische Belange. Eben das widerspricht unserem oben dargestellten Verständnis von Nachhaltigkeit fundamental. Aurubis‘ langfristige Kohlestrom-Nutzung, Firmengeschichte und etwaige Menschenrechtsverletzungen werden im Rahmen des Preises nicht thematisiert. Deshalb bleibt für uns auch nach den Gesprächen zweifelhaft:

Warum einen Nachhaltigkeitspreis mit der Aurubis AG ausloben?

Soll die Aurubis AG im Rahmen des Preises kritisch begleitet werden, müssten im Rahmen des Nominierungsprozesses folgende Fragen in dafür vorgesehenen Austauschräumen explizit und transparent diskutiert werden:

Unternehmensformen & Gemeinwohl: Inwiefern kann ein börsennotierter Konzern wie Aurubis überhaupt soziale und ökologische Belange über die Profitinteressen seiner Aktionär*innen stellen? Was bedeutet es, einen profitorientierten transnationalen Konzern in die soziale und ökologische Verantwortung zu nehmen?

Mitbestimmung der Betroffenen: In welchem Umfang würden Menschen, die in Kupferabbau-Regionen leben, dem Abbau der Rohstoffe und den damit verbundenen Umweltbelastungen im Rahmen demokratischer Verfahren überhaupt zustimmen? Wem stehen die Gewinne der Rohstoffausbeutung zu? Wie lässt sich tatsächlich erreichen, dass die Lebensweise der Gesellschaften der früh-industrialisierten Länder des globalen Nordens nicht mehr länger auf der Ausbeutung von Mensch und Natur, insbesondere im globalen Süden, basieren? Was bedeutet dies für die Verantwortung von Aurubis als Abnehmer der Ressourcen?

Ökologische & soziale Grenzen: Sind Bergbau und Umweltschutz überhaupt miteinander vereinbar? Falls nein, was bedeutet das für die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Produktions- und Konsummuster auf der Welt? Wie kann sich die Welt demokratisch darüber einig werden, in welchem Umfang produziert und konsumiert werden kann, wenn ökologische und soziale Belange tatsächlich unverhandelbar sind? Welche Produktions- und Lebensweisen sind notwendig, um die aktuellen sozial-ökologischen Krisen zu lösen?

Wenn wir im Rahmen eines Nachhaltigkeitspreises anfangen über solche Fragen zu diskutieren, führen wir eine ernsthafte Diskussion über Nachhaltigkeit.

Akteure zusammenbringen reicht nicht: Es braucht die richtigen – öffentlich geführten – Diskussionen

Nach unserer Wahrnehmung vermittelt der ZEIT Wissen-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“ bislang lediglich die Botschaft: Lasst uns viele verschiedene Akteure – große wie kleine – zusammenbringen, die alle versuchen, etwas Gutes zu bewirken, dann tragen wir schon dazu bei, dass die Gesellschaft nachhaltiger wird. Ein wirklicher Dialog ist bisher nicht vorgesehen. Wenn wir mit der sozial-ökologischen Transformation der Gesellschaft wirklich vorankommen wollen, kommen wir an grundsätzlichen und zum Teil tief ins Selbstverständnis unser kapitalistisch geprägten Gesellschaften gehenden Fragen nicht vorbei (Stichwort: Lebens- und Produktionsweisen).

Wir möchten diese Fragen auf der Veranstaltung zur Preisverleihung am 20. März in Hamburg stellen. Auch deshalb haben wir die Nominierung des Preises angenommen. Wir sind überzeugt, dass es genau diese Fragen sind, die auch offensiv nach außen getragen werden müssen, wenn man einen Nachhaltigkeitspreis gemeinsam mit einem transnationalen bergbaunahen Konzern auslobt.

Im Falle eines Preisgewinns: Unterstützung von Zivilgesellschaft in Südamerika

Im Vorfeld der Preisverleihung im März 2018 haben wir beschlossen, für den Fall, dass wir als einer von drei Nominierten in der Kategorie „Wissen“ den Preis und das damit verbundene Preisgeld erhalten sollten, dieses Geld an das Organisationsnetzwerk „Red Muqui“ aus Peru weiterzuleiten. Das Netzwerk engagiert sich kritisch zu den Praktiken der Bergbaukonzerne und deren Geschäftspartner*innen. Hier arbeiten Akteure, die sich für Menschen einsetzen, die von Gesundheitsproblemen, Vertreibung, Umweltbelastungen und Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Das Preisgeld in der Kategorie Wissen wird nicht von der Aurubis AG gestellt, sondern von der Stiftung „Forum für Verantwortung“.

 

Update 20.03.2018 / Der ZEIT Wissen-Preis in der Kategorie „Wissen“ wurde an die Umweltorganisation Yeşil Çember – ökologisch interkulturell verliehen, die türkischsprachige Menschen in Deutschland mit Aufklärungsmaterialien und Veranstaltungen für Umweltthemen aktiviert.

Unabhängig vom Preis wollen wir uns im April mit dem Koordinator des Netzwerks Javier Jahncke anlässlich einer Podiumsdiskussion zu „Umweltauswirkungen des Bergbaus und Entwicklungsalternativen in Peru“ treffen.

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1 z.B. der Fall der Mine Espinar in Peru. In: Müller, Melanie: „Deutsche Kuperimporte: Menschenrechtsverletzungen, Unternehmensverantwortung und Transparenz entlang der Lieferkette“, GLOCON Policy Paper, Nr. 1, Berlin, 2017 http://www.land-conflicts.fu-berlin.de/_media_design/Policy-Paper-Reihe/glocon_policy_paper_1.pdf; oder: Misereor: Menschenrechtliche Probleme im peruanischen Rohstoffsektor und die deutsche Mitverantwortung (2013): Es sind „zwischen Antamina und der lokalen Bevölkerung in den letzten Jahren immer wieder Konflikte über Landnutzungs- und Umsiedlungsfragen ausgebrochen. […] Im Juli 2012 kam es zudem in einer Pipeline zu einer Havarie, wobei die Umgebung eines Weilers mit Schwermetallen verseucht wurde. Bei sieben Bewohnern wurden nun hohe Blei- und Kupferwerte festgestellt, womit eine Verletzung ihres Rechts auf Gesundheit vorliegt.“ https://www.misereor.de/fileadmin/publikationen/studie-rohstoffe-menschenrechte-in-peru.pdf