Erste Schritte zum „Ernährungsrat Leipzig“ +++ 120 Teilnehmende bei Ernährungsforum

04.02.2018

Leipziger möchten im Rahmen eines „Ernährungsrates Leipzig“ die lokale Ernährungspolitik mitgestalten. 120 Teilnehmende am Ernährungsforum am Samstag haben erste Ziele und Maßnahmen formuliert

Am Samstag haben in Leipzig rund 120 Landwirt_innen, Händler_innen und Verarbeiter_innen aus der Region, Wissenschaftler_innen, Mitglieder der kommunalen Verwaltung sowie Interessierte Leipziger_innen mögliche Handlungsfelder für einen „Ernährungsrat Leipzig“ diskutiert. Eingeladen zum ganztägigen öffentlichen Forum „Gutes Essen für Alle – Ernährungswende in der Stadt“ hatte eine Initiative lokaler Akteure aus dem Bereich Ernährung und Alternativwirtschaft, darunter die Annalinde Stadtgärtnerei, das Konzeptwerk Neue Ökonomie, der Mitgliederladen Schwarzwurzel, der Lebensmittelverarbeiter Leipspeis, LeipzigGrün – Netzwerk für Stadtnatur und die Gruppe Zukunftsfelder – Agrarforum Leipzig.

„Ernährung ist ein Zukunftsthema, das dringend auf die stadtpolitische Agenda gehört“, sagte Dagmar Haase vom Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ) zum Auftakt der Veranstaltung in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula der Leipziger Volkshochschule. In fünf parallelen Workshops formulierten die Teilnehmenden konkrete Ziele für ein sozialeres und nachhaltigeres Ernährungssystem in Leipzig, die ein „Ernährungsrat Leipzig“ künftig voranbringen soll. Das umfasst unter anderem die flächendeckende Umstellung der Gemeinschaftsversorgung in Schulen, Kindergärten, Universitäten und öffentlichen Einrichtungen auf regionale und wenn möglich ökologische Lebensmittel ebenso wie die Stärkung regionaler Versorgungsketten – von der Produktion, über die Verarbeitung bis hin zum lokalen Handel. Auch die schulische und außerschulische Ernährungsbildung benannten die Teilnehmenden als ein zentrales Thema.

Ein starkes Signal für mehr Ernährungsdemokratie

„Mit dem Forum gutes Essen für alle haben wir zu Beginn des Jahr der Demokratie in Leipzig die Idee des Ernährungsrates erfolgreich auf die kommunale politische Agenda gesetzt“, sagte Max Frauenlob vom Konzeptwerk Neue Ökonomie. Tenor der Veranstaltung war es, die Ernährungspolitik auch zum Thema in den bevorstehenden Kommunalwahlen machen zu wollen. „Das heutige Forum hat ein starkes Signal für mehr Ernährungsdemokratie gesetzt“, so Frauenlob. „Viele Menschen möchten die Ernährungspolitik in Leipzig mitgestalten. Das sollte auch die Politik aufnehmen und unterstützen.“ Vorschläge gibt es genug: von der dauerhaften Bereitstellung von Flächen in der Stadt, über die Förderung von Ernährungsbildung bis hin zur finanziellen Unterstützung des Ernährungsrates selbst.

Die Organisator_innen zeigten sich sehr zufrieden mit Verlauf und Ergebnis der Veranstaltung. „Ich freue mich sehr, wie viele Leute sich für das Thema interessieren und bin gespannt, wie es in Sachen Ernährungsrat Leipzig weiter geht“, sagte Sebastian Pomm von der Annalinde Stadtgärtnerei. „Alle sind eingeladen, sich in den weiteren Prozess einzubringen.“

Für den 1. März laden die Organisator_innen des Ernährungsforums zu einer weiteren Veranstaltung in die Volkshochschule Leipzig. Dort sollen die nächsten konkreten Schritte zur Gründung des „Ernährungsrates Leipzig“ beraten werden. Viele Teilnehmer_innen des Ernährungsforums am vergangenen Samstag haben bereits ihr Interesse bekundet, aktiv daran mitzuwirken.

 

Kontakt

Für Rückfragen und Interviews steht Ihnen zur Verfügung:

Max Frauenlob, Konzeptwerk Neue Ökonomie
m.frauenlob@knoe.org

Das Foto ist bei Nennung der Quelle „Konzeptwerk Neue Ökonomie“ zur Verwendung freigegeben.

Weiterführende Informationen

Ernährungsräte sind in Nordamerika ein erprobtes Konzept, und auch in Deutschland haben sich die ersten Ernährungsräte gegründet: 2016 in Köln und Berlin, 2017 in Frankfurt/Main, Oldenburg und Dresden. Der Ernährungsrat Berlin, gegründet 2016 machte im vergangenen Jahr durch die Veröffentlichung eines Maßnahmenkatalogs „Ernährungsdemokratie für Berlin“ auf sich aufmerksam. Das Papier, das bereits dem Berliner Senat übergeben wurde, fordert konkrete Maßnahmen zur Förderung lokaler Wirtschaftskreisläufe einzuleiten sowie Infrastruktur und Unterstützung für lokale Ernährungsinitiativen bereitzustellen.

Im November hat sich zudem ein bundesweites Netzwerk formiert, dem mittlerweile mehr als 40 Ernährungsratinitiativen im deutschsprachigen Raum angehören. Hier gibt es einen Überblick über bestehende Ernährungsräte, deren Funktionsweise und Aktivitäten: http://ernaehrungsraete.de/

Ernährungsrat Berlin http://ernaehrungsrat-berlin.de und dessen Maßnahmenkatalog für Berlin http://ernaehrungsrat-berlin.de/wp-content/uploads/2017/09/Ernaehrungsrat_FK_2017_web.pdf

Wenn Sie eine Email an ernaehrung@knoe.org schreiben, senden wir Ihnen gern die Dokumentation der Veranstaltung am 3. Februar in der Volkshochschule zu.

 

Über das Konzeptwerk Neue Ökonomie

Das Konzeptwerk setzt sich für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft und Gesellschaft ein. Es eröffnet Bildungs- und Austauschräume rund um Themen des sozial-ökologischen Wandels und will zeigen, dass alternative Wirtschaftsformen schon heute existieren und als Anknüpfungspunkte für diesen Wandel dienen. Durch die Kooperation mit wachstumskritischen Initiativen und sozialen Bewegungen für globale Gerechtigkeit will das Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. eine Veränderung von unten bestärken.
Mehr unter: www.konzeptwerk-neue-oekonomie.de